Beitrag von Gründer Angelika
Die Waldtracht – wenn der Wald zu honigen beginnt
Mit dem Frühsommer richtet sich der Blick vieler Imkerinnen und Imker zunehmend in den Wald. Dort beginnt eine besondere Zeit im Bienenjahr: die Waldtracht. Anders als die Blütentracht entsteht sie nicht aus Nektar, sondern aus Honigtau – und genau das macht sie so faszinierend und zugleich so unberechenbar.
Honigtau entsteht, wenn pflanzensaftsaugende Insekten, vor allem Läuse, an Bäumen saugen und zuckerhaltige Tropfen ausscheiden. Diese sammeln die Bienen von Nadeln und Blättern und tragen sie in den Stock ein. Daraus entsteht der typische Waldhonig, der wegen seines kräftigen, würzigen Aromas besonders geschätzt wird.
Ob es zu einer guten Waldtracht kommt, hängt von vielen Faktoren ab. Entscheidend sind geeignete Baumarten, das Vorkommen honigtauerzeugender Insekten und die Witterung. Wärme kann die Entwicklung fördern, während Regen den Honigtau oft wieder abwäscht. Deshalb ist die Waldtracht deutlich schwerer vorherzusagen als eine Blütentracht und fällt von Jahr zu Jahr sehr unterschiedlich aus.
Gerade das macht sie für die Imkerei so besonders. Der Wald zeigt nicht auf den ersten Blick, ob er trägt. Es braucht Aufmerksamkeit, Erfahrung und oft auch Geduld. Wenn die Bedingungen aber passen, kann der Wald zu einer reichen Trachtquelle werden.
Die Waldtracht zeigt eindrucksvoll, wie eng die Imkerei mit den natürlichen Abläufen verbunden ist. Sie ist ein stilles Zusammenspiel von Baum, Insekt, Wetter und Biene – und damit jedes Jahr aufs Neue etwas Besonderes.
Wir werden sehen, wie es dieses Jahr aussieht.

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